siduction Systemadministration

Systemadministration allgemein

Bootoptionen Cheatcodes

Zu Beginn des Bootvorgangs läßt sich die Kernel-Befehlszeile editieren, indem man, sobald das Grub-Menue erscheint, die Taste e drückt. Im Editiermodus navigiert man mit den Pfeiltasten zur Kernelzeile und fügt am Ende den oder die gewünschten Cheatcode ein. Als Trennzeichen dient das Leerzeichen. Der Bootvorgang wird mit der Tastenkombination Strg+X fortgesetzt.

Die nachstehenden Link führen zu der Handbuchseite mit den Tabellen für die Bootoptionen.

  1. siduction spezifische Parameter (nur Live-CD)
  2. Bootoptionen für den Grafikserver X
  3. Allgemeine Parameter des Linux-Kernels
  4. Werte für den allgemeinen Parameter vga

Ausführliche Referenzliste für Kernel-Bootcodes von kernel.org (Englisch, PDF)

systemd - Dienste verwalten

systemd kennt insgesamt 11 Unit-Typen. Die Units, mit denen wir im Alltag am häufigsten zu tun haben sind:

Einige der Unit-Typen stellen wir hier kurz vor. Ihre Namen geben bereits einen Hinweis auf die vorgesehene Funktionalität. Etwas ausführlichere Erläuterungen zu den Units beinhaltet unsere Handbuchseite Systemadministration.Systemd. Die vollständige Dokumentation ist in den man-Pages systemd.unit, systemd.special und jeweils systemd.“Unit-Typ” zu finden.

Mit dem Befehl, je nach den Units und den notwendigen Rechten als user oder root aufgerufen,

systemctl [OPTIONEN...] Befehl [UNIT...]

wird das Systemd-System gesteuert. systemctl kennt die Autovervollständigung mittels TAB und die Anzeige aller Variationen mittels TAB TAB. Bitte die man-Page systemctl lesen.

Eine nach Typen sortierte Liste mit allen aktiven Units bzw. Unit-Dateien, geben die folgenden Befehle aus:

$ systemctl list-units          # für Units
$ systemctl list-unit-files     # für Unit-Dateien

mit der Option -a werden auch alle inaktiven Units bzw. Unit-Dateien ausgegeben.

systemd.service

Zum Starten oder Stoppen einer .service-Unit die Befehle:

$ systemctl start <UNIT>.service
$ systemctl stop <UNIT>.service
$ systemctl restart <UNIT>.service

verwenden. “Restart” ist z. B. nützlich, um dem Service eine geänderte Konfiguration bekannt zu geben. Sofern für die Aktion Root-Rechte nötig sind, wird das Root-Passwort abgefragt.
Zum Beenden eines Dienstes dient auch der Befehl:

$ systemctl kill -s SIGSTOP --kill-who=control <UNIT>.service

Mit “kill” stehen im Gegensatz zu “stop” die Optionen -s, –signal= und –kill-who= bereit. + -s sendet eines der Signale SIGTERM, SIGINT, SIGSTOP. Vorgabe ist SIGTERM. + –kill-who= erlaubt die Auswahl der Prozesse innerhalb der Hirarchie, an die ein Signal gesendet werden soll. Die Optionen sind main, control, all. Damit wird dem Hauptprozess, den Kind-Prozesse oder beiden das Signal gesendet. Vorgabe ist all.
Dieses Verhalten ähnelt dem altbekannten und weiterhin verwendbaren Befehl pkill, der weiter unten im Abschnitt Beenden eines Prozesses erläutert wird.

systemd - UNIT eingliedern

Damit eine (selbst erstellte) Unit beim Hochfahren des Rechners automatisch geladen wird, als Root:

# systemctl enable <UNIT-Datei>

Dies erzeugt eine Gruppe von Symlinks entsprechend den Anforderungen in der Konfiguration der Unit. Im Anschluss wird automatisch die Systemverwalterkonfiguration neu geladen.

Der Befehl

# systemctl disable <UNIT-Datei>

entfernt die Symlinks wieder.

Beispiel
Wenn ein PC oder Laptop ohne Bluetooth Hardware im Einsatz ist, oder man kein Bluetooth verwenden möchte, entfernt der Befehl (als Root):

# systemctl disable bluetooth.service

die Symlinks aus allen Anforderungen und Abhängigkeiten innerhalb systemd und der Service ist nicht mehr verfügbar und wird auch nicht automatisch gestartet.

systemd-target ehemals Runlevel

Seit der Veröffentlichung von 2013.2 “December” benutzt siduction bereits systemd als Standard-Init-System.
Die alten sysvinit-Befehle werden weiterhin unterstützt. (hierzu ein Zitat aus man systemd: “… wird aus Kompatibilitätsgründen und da es leichter zu tippen ist, bereitgestellt.”)
Ausführlichere Informationen zum systemd enthält die Handbuchseite Systemadministration.systemd.
Die verschiedenen Runlevel, in die gebootet oder gewechselt wird, beschreibt systemd als Ziel-Unit. Sie besitzen die Erweiterung .target.

Ziel-Unit Beschreibung
emergency.target Startet in eine Notfall-Shell auf der Hauptkonsole. Es ist die minimalste Version eines Systemstarts, um eine interaktive Shell zu erlangen. Mit dieser Unit kann der Bootvorgang Schritt für Schritt begleitet werden.
rescue.target Startet das Basissystem (einschließlich Systemeinhängungen) und eine Notfall-Shell. Im Vergleich zu multi-user.target könnte dieses Ziel als single-user.target betrachtet werden.
multi-user.target Mehrbenutzersystem mit funktionierendem Netzwerk, ohne Grafikserver X. Diese Unit wird verwendet, wenn man X stoppen bzw. nicht in X booten möchte. Auf dieser Unit wird eine Systemaktualisierung (dist-upgrade) durchgeführt .
graphical.target Die Unit für den Mehrbenutzermodus mit Netzwerkfähigkeit und einem laufenden X-Window-System.
default.target Die Vorgabe-Unit, die systemd beim Systemstart startet. In siduction ist dies ein Symlink auf graphical.target (außer noX).

Ein Blick in die Dokumentation man SYSTEMD.SPECIAL(7) ist obligatorisch um die Zusammenhänge der verschiedenen .target - Unit zu verstehen.

Um in den Runlevel zur Systemaktualisierung zu wechseln, ist im Terminal folgender Befehl als root zu verwenden:

# systemctl isolate multi-user.target

Wichtig ist hierbei der Befehl isolate, der dafür sorgt, dass alle Dienste und Services, welche die gewählte Unit nicht anfordert, beendet werden.

Um das System herunter zu fahren bzw. neu zu starten, sollte der Befehl

# systemctl poweroff
   bzw.
# systemctl reboot

verwendet werden. poweroff bzw. reboot (jeweils ohne .target) ist ein Befehl, der mehrere Unit in der richtigen Reihenfolge hereinholt, um das System geordnet zu beenden und ggf. einen Neustart auszuführen.

Beenden eines Prozesses

pgrep und pkill

Unabhängig von systemd ist pgrep und pkill ein sehr nützliches Duo um unliebsame Prozesse zu beenden. Mit Benutzer- oder Root-Rechten in einer Konsole oder TTY ausgeführt:

$ pgreg <tab> <tab>

listet alle Prozesse mit ihrem Namen, aber ohne die Prozess-ID (PID) auf. Wir benutzen im Anschluss Firefox als Beispiel.
Die Option -l gibt die PID und den vollständigen Namen aus:

$ pgrep -l firefox
4279 firefox-esr

Um, sofern vorhanden, Unterprozesse anzuzeigen benutzen wir zusätzlich die Option -P und nur die PID:

$ pgrep -l -P 4279
4387 WebExtensions
4455 file:// Content
231999 Web Content

anschließend

$ pkill firefox-esr

beendet Firefox mit dem Standardsignal SIGTERM.
Mit der Option –signal, gefolgt von der Signalnummer oder dem Signalnamen, sendet pkill das gewünschte Signal an den Prozess. Eine übersichtliche Liste der Signale erhält man mit kill -L.

htop

Im Terminal eingegeben, ist htop eine gute Alternative, da sehr viele nützliche Informationen zu den Prozessen und zur Systemauslastung präsentiert werden. Dazu zählen eine Baumdarstellung, Filter- und Suchfunktion, Kill-Signal und einiges mehr. Die Bedienung ist selbsterklärend.

Notausgang

Als letzten Rettungsanker bevor der Netzstecker gezogen wird, kann man den Befehl killall -9 im Terminal absetzen.

Vergessenes Rootpasswort

Ein vergessenes Rootpasswort kann nicht wiederhergestellt werden, aber ein neues kann gesetzt werden.

Dazu muss zuerst die Live-CD gebootet werden.

Als Root muss die Rootpartition eingebunden werden (z. B. als /dev/sdb2)

mount /dev/sdb2 /media/sdb2

Nun folgen ein chroot in die Rootpartition (chroot=changed root … “veränderter Root”) und die Eingabe eines neuen Passwortes:

chroot /media/sdb2 passwd

Setzen neuer Passwörter

Um ein User-Passwort zu ändern, als $ user :

$ passwd

Um das Root-Passwort zu ändern, als # root :

# passwd

Um ein User-Passwort als Administrator zu ändern, als # root :

# passwd <user>

Schriftarten in siduction

Um, sofern nötig, die Darstellung der Schriften zu verbessern, ist es wichtig vorab die richtigen Einstellungen und Konfigurationen der Hardware zu prüfen.

Einstellungen prüfen

Basiskonfuguration der Schriftarten

siduction nutzt freie Fonts, die sich in Debian als ausgewogen bewährt haben. In der graphischen Oberfläche kommen TTF- bzw. Outline-Schriften zur Anwendung. Wenn eigene Schriftarten gewählt werden, müssen eventuell neue Konfigurationsanpassungen vorgenommen werden, um das gewünschte Schriftbild zu erhalten.

Die systemweite Grundkonfiguration erfolgt im Terminal als root mittels:

# dpkg-reconfigure fontconfig-config

Bei den aufgerufenen Dialogen haben sich diese Einstellungen bewährt:

  1. Bitte wählen Sie zur Bildschirmdarstellung die bevorzugte Methode zum Schriftabgleich (font tuning) aus.
    “autohinter”

  2. Bitte wählen Sie, inwieweit Font-Hinting standardmäßig angewendet wird.
    “mittel”

  3. Die Einbeziehung der Subpixel-Ebene verbessert die Textdarstellung auf Flachbildschirmen (LCD)
    “automatisch”

  4. Standardmäßig nutzen Anwendungen, die fontconfig unterstützen, nur Outline-Schriften.
    Standardmäßig Bitmap-Schriften verwenden?
    “nein”

Anschließend ist

# dpkg-reconfigure fontconfig

notwendig um die Konfiguration neu zu schreiben.

Manchmal bedeutet der Neuaufbau des Font-Caches eine Lösung (der erste Befehl gilt der Datensicherung mit einem Datumsanhang, der zweite Befehl ist ohne Zeilenumbruch, d. h. in einer Zeile einzugeben):

# mv /etc/fonts/ /etc/fonts_$(date +%F)/
# apt-get install --reinstall --yes -o DPkg::Options::=--force-confmiss -o DPkg::Options::=--force-confnew fontconfig fontconfig-config

Userkonfiguration

Darstellungsart, Größe, 4K-Display

Beachtet werden muss, dass jede Schriftart ein ideales Größenspektrum besitzt, sodass identische Größeneinstellungen nicht bei jeder Schriftart zu einem gleich guten Ergebnis führen muss.
Die Einstellungen kann man bequem in der graphischen Oberfläche vornehmen. Sie werden auf dem Desktop sofort wirksam, Anwendungen müssen zum Teil neu gestartet werden.
Die Liste zeigt, wo im Menue die Einstellungen zu finden sind.

Begriffserklärung
Kantenglättung / Antialising :
Das ist die Helligkeitsabstufung der Nachbarpixel an den Kanten um bei Rundungen den Treppeneffekt zu vermindern. Es bewirkt aber eine gewisse Unschärfe der Schriftzeichen.

Subpixel-Rendering / Farbreihenfolge / RGB :
Das ist eine Erweiterung des Antialising für LCD-Bildschirme, indem zusätzlich die Farbkomponenten eines Pixels angesteuert werden.

Hinting :
Ist die Anpassung (Veränderung) der Schriftzeichen an das Pixelrasters des Bildschirms. Dadurch verringert sich der Bedarf an Antialising, aber die Schriftform entspricht nicht mehr genau den Vorgaben, es sei denn, die Entwickler der Schrift haben bereits Hintingvarianten integriert. Bei 4K-Bildschirmen ist Hinting meist nicht notwendig.

DPI-Wert / Skalierungsfaktor :
Die Einstellmöglichkeit eines anderen DPI-Wertes bzw. einer anderen Größe nur für die Schriften. Hier läßt sich die Darstellung auf einem 4K-Bildschirm schnell verbessern. Die folgende Tabelle verdeutlicht den Zusammenhang zwischen der Bildschirmdiagonalen und dem DPI-Wert bei 4k-Bildschirmen.

4k Auflösung: 3840 x 2160 (16:9)

Diagonale X-Achse Y-Achse DPI
24 Zoll 531 mm 299 mm 184
27 Zoll 598 mm 336 mm 163
28 Zoll 620 mm 349 mm 157
32 Zoll 708 mm 398 mm 138
37 Zoll 819 mm 461 mm 119
42 Zoll 930 mm 523 mm 105

Demnach ist bei 4k-Bildschirmen mit 24 Zoll Diagonale ein Skalierungsfaktor von 2,0 und mit 37 Zoll Diagonale ein Skalierungsfaktor von 1,2 erforderlich um etwa gleiche Darstellungen entsprechend SXGA oder WSXGA Bildschirmen mit 90 DPI zu erhalten.

CUPS - das Drucksystem

KDE hat einen großen Abschnitt zu CUPS in der KDE-Hilfe. Trotzdem folgt nun eine Anleitung, was man bei Problemen mit CUPS nach einem full-upgrade tun kann. Eine der bekannten Lösungen ist:

# modprobe lp
# echo lp >> /etc/modules
# apt purge cups
# apt install cups
        ODER
# apt install cups printer-driver-gutenprint hplip

CUPS wird nun neu gestartet:

# systemctl restart cups.service

Im Anschluss daran wird ein Web-Browser geöffnet und in die Adresszeile eingegeben:

http://localhost:631

Ein kleines Problem tritt auf, wenn CUPS zur Legitimation die entsprechende Dialog-Box öffnet. Dort ist gelegentlich der eigene Benutzername bereits eingetragen und das Passwort wird erwartet. Die Eingabe des Benutzerpassworts ist jedoch nicht zielführend. Es geht nichts. Die Lösung ist, den Benutzernamen in root zu ändern und das Root-Passwort einzugeben.

Die OpenPrinting-Datenbank beinhaltet umfangreiche Informationen über verschiedenste Drucker und deren Treiber. Es stehen Treiber, Spezifikationen und Konfigurations-Tools zur Verfügung. Die Firma Samsung lieferte früher eigene Linux-Treiber für ihre Drucker. Nach dem Verkauf der Druckersparte an HP war die Downloadseite nicht mehr erreichbar und HP nahm die Samsung-Treiber leider nicht in die hplib auf. Derzeit funktioniert für Samsung-Drucker und Samsung-Multifunktionsgeräte am ehesten das Paket printer-driver-splix. CUPS ist gerade im Umbruch und geht in Richtung Drucken ohne Treiber per IPP-Everywhere.

Sound in siduction

In älteren siduction Installationen ist der Ton in der Grundeinstellung deaktiviert.

Die meisten Tonprobleme lassen sich lösen, indem man auf das Sound-Ikon in der Kontrollleiste klickt, den Mischer öffnet und das Häkchen von “stumm” oder “mute” entfernt bzw. den entsprechenden Schieber betätigt. Ist das Lautsprecher-Symbol nicht vorhanden, genügt ein Rechtsklick auf die Kontrollleiste, dann die Auswahl

in KDE: Kontrollleiste Optionen > Miniprogramme hinzufügen…
in XFCE: Leiste > Neue Elemente hinzufügen…

und das gewünschte Modul auswählen.

KDE Plasma

Ein Rechtsklick auf das Lautsprechersymbol in der Kontrollleiste öffnet das Einstellungsfenster für die Soundausgabe. Die Benutzerführung ist selbsterklärend.

GNOME

Ein Rechtsklick auf das Lautsprechersymbol in der Kontrollleiste öffnet ein Drop-down-Menü, dass einen Schieber für die Lautstärke enthält.
Weitere Einstellungen sind wie folgt möglich:

Rechtsklick auf die Arbeitsfläche > Einstellungen > Audio

XFCE Pulse-Audio

Die Einstellungen erfolgen über das Lautsprechersymbol (Puls-Audio-Modul) in der Kontrollleiste. Auch hier ist die Benutzerführung selbsterklärend. Fehlt das Symbol, kann man sich auf die Schnelle mit einem Terminal und dem Befehl

$ pavucontrol

behelfen und nimmt im neu geöffneten Fenster die Einstellungen vor.

Alsamixer

Wer alsamixer bevorzugt, findet diesen im Paket alsa-utils:

# apt update
# apt install alsa-utils
# exit

Die gewünschten Sound-Einstellungen werden als $user von einem Terminal vorgenommen:

$ alsamixer
Zuletzt bearbeitet: 2021-06-30